Alkohol im Straßenverkehr – ein Selbsttest
Alkohol im Selbstversuch für Vertreterinnen und Vertreter der Essener Justiz - im geschützten Raum
Essen, den 28.11.2025
Es ist eine außergewöhnliche Aktion, die von der Verkehrswacht Essen in Kooperation mit der DEKRA-Niederlassung und dem Polizeipräsidium fast jedes Jahr aufs Neue durchgeführt wird: Vertreter der Essener Justiz sowie Rechtsreferendare werden zu einer Fortbildungsveranstaltung eingeladen, bei der nicht nur Fachvorträge gehalten werden, sondern sie auch die Möglichkeit bekommen, praktisch zu erleben, welche Auswirkungen Alkoholkonsum auf das Fahrvermögen hat.
Das Team der DEKRA informierte zu Beginn über die Daten des Event Data Recorders. Dieser sei vergleichbar mit der Black Box eines Flugzeugs und liefere eben auch nach einem Unfall interessante Daten. Dipl.-Ing. Heino Krehe informierte, dass die Datenlage nicht immer einfach zu deuten sei und zeigte anhand von Beispielen, dass in manchen Fällen Vorsicht geboten sei und andere Faktoren nicht vernachlässigt werden sollten. Dass Smartwatches und Fahrradcomputer auch wichtige Daten nach einem Unfall liefern können, wurde ebenfalls anschaulich präsentiert.


Bevor die Anwesenden der Aufforderung „Trinken Sie in kürzester Zeit so viel wie möglich!“ Folge leisteten, ging es nach draußen auf den Hinterhof des DEKRA-Gebäudes, in dem die Veranstaltung stattfand. Dort waren mit fünf Autos drei Rangier- und Parksituationen nachgestellt, denen sich die Teilnehmer stellen konnten. Noch nüchtern konnten viele die schwierigen Situationen meistern, hier und da fiel ein Pylon um oder zwei Autos streiften sich leicht. Zurück im Gebäude wurden dann Bier, Wein und „Kurze“ ausgeschenkt. Auf einem Bierdeckel notierte jeder, was er getrunken hat. Die anwesenden Polizisten boten Atemalkoholtests an. In der Zeit dieses kontrollierten Betrinkens hielt Dr. med. Katharina Zube, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Essen, einen interessanten und sehr anschaulichen Vortrag über die Grundlagen für die verkehrsmedizinische Beurteilung nach Alkohol- und Cannabiskonsum. „Was passiert gerade bei Ihnen?“ fragte sie in die Runde, bevor sie erläuterte, wo zu welchem Prozentsatz der Alkohol vom Körper aufgenommen wird. Auch ging sie darauf ein, wie die Verteilung im Körper ist und gab den Anwesenden mit der Widmark-Formel etwas an die Hand, mit der sie ihren Promillegehalt ungefähr berechnen können. „Es gibt Unterschiede zwischen Mann und Frau und auch spielt die körperliche Konstitution eine Rolle“, so Dr. Zube. Ausfallerscheinungen habe der Mensch übrigens beim Aufbau und nicht beim Abbau des Alkohols.

Auch ging sie auf die Wirkung von Cannabis ein. Die drei gängigsten Formen dieses zu konsumieren seien das Rauchen, das Essen (in Form von Eatables wie Süßigkeiten) und auch Cannabisbutter. Beim Rauchen sei es so, dass die Wirkstoffe im Körper schnell ankommen, aber sich auch relativ schnell wieder abbauen, die Wirkung hingegen setze zeitverzögert ein und halte auf einem Niveau länger an. Die Ausfallerscheinungen seien beim Cannabiskonsum sehr individuell, genauso wie die Wirkung.
Während sie sprach wurde in den Sitzreihen weiter Alkohol gereicht. Das, was dann bei erneuten Park- und Rangierversuchen auf dem Hof passierte, verwunderte nicht. Es fielen mehr Pylone und das Touchieren der Autos fiel nicht mehr ganz so kontrolliert aus.

„Die Möglichkeit dieses besonderen Selbstversuchs hat bei allen Beteiligten Wirkung gezeigt. Schon vor Erreichen der gesetzlichen Promillegrenze hatten die Probanden das Gefühl, nicht mehr fahrtüchtig zu sein. Die Einschränkung der eigenen Wahrnehmung durch den Alkohol war erschreckend und hätte im Realverkehr verheerende Folgen“, sagte Maria Brendel-Sperling, Geschäftsführerin der Verkehrswacht Essen, mit Blick auf diesen Durchgang nach Alkoholkonsum.

Für alle, die getrunken hatten, ging es nach einem erfahrungsreichen Abend übrigens mit dem Taxi nach Hause. Und alle, die nicht tranken, hatten mit Cannabisbrillen ebenso die Möglichkeit zu erfahren, wie ein Rauschzustand sich auf die Wahrnehmung auswirken kann und zu erahnen, was das für die Teilnahme am Straßenverkehr bedeutet.
Ein herzlicher Dank geht an Jörg Zganiatz (Leiter Unfallanalytik der DEKRA Essen) und sein Team für die perfekte Durchführung dieser gelungenen Veranstaltung, an Staatsanwältin Maria Abel-Dassler und Prof. Dr. Gerd Hamme (Vorsitzender des Hauptrichterrates der ordentlichen Gerichtsbarkeit in NRW) für die Vorbereitung, an Andreas Malberger (Leiter Verkehrsinspektion 1 der Polizei Essen ) und sein Team für die Begleitung der Veranstaltung und die Durchführung der Alkoholtests sowie an die Stauder Brauerei für die Gestellung der Theke und des leckeren Stauder Bieres.